Was ist Citizen Science? - Schweiz forscht - Citizen Science in der Schweiz

Was ist Citizen Science?

Citizen Science wird immer mehr als ein Sammelbegriff für die vielen Herangehensweisen verwendet, wie Freiwillige in der Wissenschaft beteiligt werden.

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Was ist Citizen Science?

Citizen Science wird immer mehr als ein Sammelbegriff für die vielen Herangehensweisen verwendet, wie Freiwillige in der Wissenschaft beteiligt werden.

 

Begrifflichkeit

Citizen Science bezeichnet eine über die Jahrhunderte gängige Methode, Freiwillige an Wissenschaft zu beteiligen. Als Begriff wurde er jedoch erst 2014 ins Oxford English Dictionary aufgenommen.

Fragen wie

  • Wann setzt der Heuschnupfen ein?
  • Wie steht es um die Biodiversität in der Schweiz?
  • Wie verändern sich die Dialekte im Laufe der Zeit?
  • Wie verhalten sich selten gewordene Brutvögel?

werden von einem Teil der interessierten Bevölkerung mit grossem Engagement bearbeitet. Sie werden daher als Citizen Scientists bezeichnet. Neugier und Faszination für bestimmte Themen und Forschungsprozesse führen dazu, dass so gemeinsam Wissen geschaffen wird. Dies kann in Kooperation mit wissenschaftlich-öffentlichen Einrichtungen wie Universitäten, Museen oder Instituten geschehen sowie auch durch private Initiativen von Personen und Organisationen.

Lange Tradition

Forschung gab es bereits sehr lange vor der Entstehung von Universitäten wie wir sie kennen. Und auch als im Mittelalter die ersten europäischen Universitäten gegründet wurden, gab es hochschul-unabhängige Expeditionen und Entdecker. Citizen Science ist sozusagen die Urform der Forschung.

Hierzulande wurde im Jahr 1815 die Schweizerische Naturforschende Gesellschaft gegründet, eine Vereinigung von Schweizer Amateurforschenden und die Vorläuferin der heutigen Akademie der Naturwissenschaften Schweiz.

Auch der Staatsgründer Amerikas Benjamin Franklin (1706-1790) war beispielsweise ein Citizen Scientist, der ohne akademische Ausbildung im engeren Sinn in der Wissenschaft zu höchstem Ruhm und Ehre gelangte. Als Universalist hat er nicht nur an der Unabhängigkeitserklärung mitgeschrieben, sondern auch Leihbibliotheken gegründet und Praktisches wie den Blitzableiter erfunden.

Spektrum

Neben der inhaltlichen Bandbreite der ganzen Wissenschaften von der Sammlung von Wetterdaten für die Klimatologie bis zur Erkennung von musikalischen Ohrwürmern in der Hirnforschung gibt es auch einen riesigen Methodenspielraum. Die Digitalisierung hat Citizen Scientists noch einmal neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit eröffnet. Die Arten von Citizen Science Projekten sind vielfältig und der Einbezug von Freiwilligen unterschiedlich intensiv:

Murki

 

Abbildung: Muki Haklay

Potenzial

Das Engagement der Bevölkerung und das oft sehr spezialisierte Wissen von Citizen Scientists ist für die Wissenschaft eine grosse Chance: Sie erhalten umfassende Datensätze, die sie alleine nicht sammeln und organisieren könnten. Sie bekommen Unterstützung bei der Analyse und Feedback zu ihrer Forschung. Sie erhalten Einblicke in die Ideen, Fragen und Bedenken der Bevölkerung – was für die Forschungsarbeit interessant und relevant sein kann.

Für die Bevölkerung wiederum ist es motivierend, einen echten Beitrag zur Forschung zu leisten und ihr Engagement, ihr Wissen und ihre Ansichten einzubringen. Die Beteiligten gewinnen vertieftes Fachwissen, lernen Forschungsprozesse kennen. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit, die Anerkennung des Engagements und die Qualitätssicherung der von den Bürgern gesammelten Daten sind von zentraler Bedeutung für Citizen-Science-Projekte.

Eine Umfrage der deutschen Stiftung Wissenschaft im Dialog hat 2015 ergeben, dass von 1004 Befragten in Deutschland 30% grundsätzlich daran interessiert sind, an einem Forschungsprojekt aktiv mitzuwirken. Derzeit partizipiert jedoch nur rund ein Prozent. Dies weist auf das noch grosse Potenzial von Citizen Science in ähnlichen Ländern wie Deutschland hin.

 

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